Um 1519 – Antwerpen – 1584
Über Pieter Huys stehen nur wenige schriftliche Unterlagen zur Verfügung. Er war der Sohn und Schüler eines obskuren Landschaftsmalers, Bruder des Graveurs Franz Huys, und wurde gegen 1519 in Antwerpen geboren. Er trug sich 1545 in die Antwerpener Malergilde ein. Anschliessend ging er in die Lehre des Gaveurs und Druckverlegers Hieronymus Cock. Seine Spuren können erst nach 1560 wieder gefunden werden, als er beim Verlag Pantin als Buch Illustrierer tätig war. Von ihm wurden ein gutes Dutzend seiner signierten Werke bekannt, ihre Datierungen erstrecken sich über die Jahre zwischen 1547 und 1577. Ein Drittel seiner Bilder behandeln das Thema der Versuchung des Heiligen Antonius.
Pieter Huys entwickelte sich als einer der kunstfertigsten Nachfolger von Hieronymus Bosch. Er schöpfte aus dessen ikonographisches Repertoire mit seinen ungeheuerlichen Teufeleien und lernte zugleich, dank seiner technischen Konstruktionsweise, eine zusammenhängenden Einheit zu schaffen, die den graphischen Kompositionen vom Herzogenbuscher Meister oder von Jan Mandyn , seinem berühmten Zeitgenossen, würdig waren. Gleichzeitig entwickelte er auch seine eigene Phantasie indem er originelle und kühne Formen erfand, die ihm erlaubten voll und ganz an der stilistischen Revolution teilzuhaben, die sich in den Niederlanden im XVI. Jahrhundert, während dem Goldenen Zeitalter der Renaissance im Norden Europas, verbreitete.
Diese Vorliebe für teuflische Darstellungen gestatteten ihm Szenen mit fantastischen Visionen in einer sonderbaren und chaotischen, den dämonischen Mächten zum Opfer gefallenen Welt zu schaffen, in der hybride, disparate und absurde Wesen zusammenfinden. Wenn er auch die grauenvollen, fantastischen und alptraumartigen Halluzinationen von Bosch übernimmt, gliederte er sie jedoch in eine realitäts- und wahrheitstreuere Umgebung ein. Seine zügellosen Figuren erreichen eine Wahrheitstreue im Detail, die ihn von den vielen und armseligen Boschepigonen abheben.
Pieter Huys nahm durch seine mehr drolligen als ungeheuren Visionen einen wichtigen Platz in der satyrischen Genremalart des XVI. Jahrhunderts ein. Als hervorragender Kolorist zeugen seine Werke von einer subtilen Kombination der Einflüsse von Bosch und Brueghel.