Tätig in Antwerpen im zweiten Drittel des XVI. Jahrhunderts
Die Werke dieses Meisters wurden um ein bedeutendes Gemälde des Kunsthistorischen Museums in Wien gruppiert, „Der verlorene Sohn bei den Kurtisanen“, welches fälschlich Jan Mandjin, Anthonis van Palermo und schliesslich Lenaert Kroes zugeschrieben wurde. Obwohl romanistischer Maler wurde er jedoch teilweise vom internationalen Manierismus beeinflusst. Mit dem betonten Realismus seiner Figuren nähert er sich Pieter Aertsen, während er mit der gesuchten Eleganz seiner weiblichen Darstellungen eher an Jan Massys und Frans Floris erinnert. Seine berühmtesten Werke befinden sich in den Museen von Valenciennes und Antwerpen, die Werke über die Barmherzigkeit im einen und „Der Unkraut säende Satan“ im anderen. Diese Bilder weisen ein scherzhaftes Auftreten einiger Figuren auf : schlanke aber mit riesigen Händen bedachte Körper und abgezehrte Gesichter gealterter Menschen.
Die Vielseitigkeit der von diesem anonymen Meister behandelten Motive ist erstaunlich. Zusätzlich zu den traditionellen religiösen Themen wie die Madonna mit dem Kinde Bilder (Cleveland und Wien), Die Anbetung der Hirten nach Raphael (Privatsammlung in Brüssel), eine Pieta in der National Gallery in London, illustrierte der Künstler auch das Alte Testament, wie z.B. Die Rückkehr von Tobias (Museum von Gand), und malte auch einige Genrebilder, wie Der Verliebte Alte (Museum von Douai). In einigen seiner Kompositionen schleichen sich kleine Figuren ein, insbesondere in der Flucht nach Ägypten, (Museum von Tournai), oder im Christus und die Emmaus Pilger (Museum in Warschau); die Landschaft, realistisch und einmalig, ist in hellen Tönen, unterstrichen von leuchtendem grün und ineinander übergehenden rot und rosa Tönen gemalt. Hingegen weisen die großen Figuren in anderen Kompositionen, wie Lot und seine Töchter (Museum von Antwerpen) oder Susanna und die Alten (Museum in Porto) ein Skulpturartiges Relief auf wobei er der Haut der weiblichen Figuren einen Marmorartigen Glanz zu geben verstand. Einige seiner Bilder wurden serienweise gemalt, was vermuten lässt, dass der Meister des Verlorenen Sohnes einer blühenden und sehr produktiven Werkstatt in Antwerpen vorstand und zahlreiche Gehilfen mit ihm arbeiteten.